19. Mai 2026 Pravoslavie.ch

«Wenn mir der Herr ein Helfer ist …» Liturgie am 1100. Todestag der heiligen Wiborada – 14.5.2026

Gut 120 Gläubige aus verschiedenen orthodoxen Gemeinden der Schweiz und Deutschlands trafen sich am Wiboradatag nach dem alten Stil, dem 14. Mai 2026, in der Wiboradakapelle im St. Galler Stadtteil St. Georgen. Dort feierten sie den 1100. Jahrestag des Martyriums dieser grossen Schweizer Heiligen. Die Wiboradakapelle steht ungefähr an jenem Ort, an dem die Märtyrernonne ihre erste Zelle als Inklusin hatte – wo sie gleichsam ihr geistliches Noviziat verbrachte.

Die heilige Märtyrernonne Wiborada lebte im 10. Jahrhundert als Klausnerin bei St. Gallen und wurde wegen ihrer Weisheit, ihrer asketischen Strenge und ihres geistlichen Rates weithin verehrt. Sie wirkte als Ratgeberin vieler Menschen, sagte den Einfall der Ungarn voraus und ermutigte die Brüder des Klosters, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Selbst aber blieb sie in ihrer Klause und erlitt dort am 1. Mai 926, betend vor ihrem Altar, das Martyrium. Bis heute wird sie als Zeugin der göttlichen Weisheit und als Fürsprecherin für alle verehrt, die auf dem Weg zu Christus Hilfe und Orientierung suchen.

Die Göttliche Liturgie zelebrierte Priester Daniel Schärer von der russisch-orthodoxen Auferstehungskirche in Zürich, begleitet von Altardienern und dem deutschsprachigen Notker-Chor derselben Kirchgemeinde. In einem kurzen Wort stellte Vater Daniel den Pilgern die Heilige als Leuchtturm des Gottvertrauens vor Augen. Jeder Schritt ihres Lebens sei geprägt gewesen vom Vertrauen auf die Gnade Gottes, auf seine Hilfe bei der Erfüllung seines Willens und auf die Kraft des Kreuzes, die alle Ränke des Feindes überwindet. Dieses Vertrauen habe die Heilige in ihrer berühmten Antwort auf die Aufforderung zur Flucht zum Ausdruck gebracht: «Wenn mir der Herr, so wie ich hoffe und glaube, ein Helfer ist, so kann nicht geändert werden, was das Herz sich einmal vorgenommen hat. Diese Behausung, die mir durch Gottes Güte zugestanden wurde, werde ich nicht leer lassen, solange ich lebe.»

Gerade dieses Vertrauen in die Hilfe und Führung Gottes habe es ihr ermöglicht, bis heute für alle Menschen, die zu ihr kommen, eine Ratgeberin zu werden. Der Priester rief die Anwesenden dazu auf, sich selbst um ein solches Vertrauen zu bemühen und das anzunehmen, was Gott uns gegeben hat – auch wenn es uns manchmal gegen den Strich geht –, im Vertrauen darauf, dass Gott will, dass alle Menschen gerettet werden.

Nach einem geselligen Beisammensein und einem gemeinsamen Imbiss eilten die Pilger weiter zur Kirche St. Mangen, wo sich die Heilige endgültig in ihre Zelle einschliessen liess, wo sie das Martyrium erlitt und wo bis zur Reformation ihr Grab verehrt wurde. Dort sangen die Pilger feierlich den Akathistos zur heiligen Märtyrernonne Wiborada, der Ratgeberin von St. Gallen.

Tief ergriffen und voller Dankbarkeit über die grosse Gnade Gottes, die durch diese Schweizer Glaubenszeugin der ungeteilten Kirche bis heute wirkt, kehrten die Pilger nach Hause zurück – mit dem Freudenruf des Akathistos im Herzen: «Freue dich, gottgesandter Rat, verborgen in der Welt!»

Fotos finden Sie hier

Texte zur Heiligen Wiborada finden Sie hier.