15. März 2015

Über das Kostbare und Lebenspendende Kreuz
Homilie zum 3. Sonntag der Großen Fastenzeit

Das Kreuz Christi im Alten Bund

1.
as Kreuz Christi wurde auf verborgene Weise seit ältester Zeit vorangekündigt und
in Figuren angedeutet, und keiner wurde je mit Gott versöhnt ohne die Kraft des
Kreuzes. Nachdem unsere Ureltern im Paradies Gottes durch das Essen vom Baum
das Gebot übertreten hatten, lebte die Sünde auf, wir aber starben und erlitten vor
dem leiblichen Tod den Tod der Seele, der Trennung ist von Gott. All unser Leben nach der
Übertretung war ein Leben in Sünde, ein Leben dem Fleische nach. Die Sünde „ordnet sich dem
Gesetz Gottes nicht unter, noch auch ist sie imstand dazu, und die dem Fleisch gemäß Lebenden
können Gott nicht gefallen“ (Röm 8,7).

 

2. Wie der Apostel sagt, „das Wollen des Fleisches ist gegen den Geist gerichtet und das
Wollen des Geistes gegen das Fleisch“ (Gal 5,17). Gott aber ist Geist, das Gute und die Tugend
Selbst, und unser Geist ist Seinem Bild und Seiner Ähnlichkeit gemäß, jedoch verdorben durch
die Sünde. Wie könnte irgendeiner von uns allen erneuert und mit Gott versöhnt werden ohne
Beseitigung der Sünde und der fleischlichen Lebensart? Dies mithin ist das Kreuz Christi – die
Beseitigung der Sünde.

Deshalb gab einer unserer gotttragenden Väter, als er von einem Ungläubigen gefragt wurde,
ob er an den Gekreuzigten glaube, zur Antwort: „Ja, an Den, Der die Sünde gekreuzigt hat.“ Gott
Selbst bezeugt, dass viele Seine Freunde waren, sowohl vor dem Gesetz als auch nach der
Einführung des Gesetzes, als das Kreuz noch nicht offen erschienen war. Auch David der König
und Prophet bestätigt, dass es zu seiner Zeit Freunde Gottes gab, sagt er doch: „Deine Freunde, o
Gott, hielt ich in großer Ehre“ (Ps 138,17). Wie es kommt, dass es vor dem Kreuz schon
Gottesfreunde gab, will ich euch nun zeigen, wenn ihr mir gottesfürchtig und aufmerksam euer
Ohr zu leihen geruht.

 

3. Obwohl der Mann der Sünde, der Sohn der Gesetzwidrigkeit (s. 2 Thess 2,3), der Antichrist,
meine ich, noch nicht erschienen ist, sagt der von Christus geliebte Theologe: “ Geliebte, schon
ist der Antichrist da“ (s. 1 Joh 2,18). So auch war das Kreuz schon gegenwärtig in den Generationen,
die seinem Erscheinen vorausgingen. Der große Paulus lehrt uns deutlich, dass der
Antichrist schon jetzt unter uns ist, noch bevor er erschienen ist, sagt er doch, dass „sein
Geheimnis wirkt in uns“ (s. 2 Thess 2,7). Desgleichen war auch das Kreuz Christi, obwohl es
noch nicht zum Vorschein gekommen war, in unseren Vorvätern gegenwärtig. Denn sein
Geheimnis wirkte in ihnen.

 

Das Mysterium des Kreuzes im Leben von Abraham und Moses

 

4.
Um nicht zurückzugehen bis Abel, Seth, Enos, Enoch, Noah und den anderen bis Noah,
die Gott wohlgefielen, sowie denen, die ihnen nahe waren, will ich mit Abraham
anfangen, der zum Vater vieler Völker wurde, der Juden dem Fleische nach, von uns
selbst aber dem Glauben nach. Um mithin mit diesem unserem Vater dem Geiste nach
anzufangen, mit seinem guten Anfang und seiner ersten Berufung durch Gott – welches war das
erste Wort, das an ihn erging von Gott? „Zieh weg aus deinem Land und aus deiner
Verwandtschaft und komm in ein Land, das Ich dir zeigen werde“ (Gen 12,1). Dieses Wort trägt
in sich das Mysterium des Kreuzes. Es ist eben das, was Paulus meint, wenn er sich des Kreuzes
rühmt und sagt: „Gekreuzigt ist mir die Welt“ (Gal 6,14). Für denjenigen, der seine Heimat und
die Welt endgültig verlassen hat, sind irdische Heimat und Welt erstorben. Dies ist das Kreuz.

 

5. Als Abraham noch nicht weggegangen war aus der Gesellschaft der Gottlosen, sagte Gott
zu ihm: „Zieh weg aus deinem Land und komm in ein Land“, nicht „das Ich dir geben werde“,
sondern „das Ich dir zeigen werde“ (Gen 12,1), denn durch dieses Land wird ihm gleichsam ein
anderes, geistiges Land gezeigt. Zu Moses aber, was sagt nach dessen Weggang aus Ägypten und
Aufstieg zum Berg die Stimme Gottes als erstes? „Löse die Schuhe von deinen Füssen“ (Ex 3,5).
Dies ist ein weiteres Mysterium des Kreuzes, das dem vorhergehenden auf natürliche Weise folgt.
„Du bist zwar weggezogen aus Ägypten,“, sagt Gott zu Moses, „du hast den Dienst des
Pharao verlassen, den Titel ‚Sohn der Tochter des Pharao‘ verachtet, und soweit es von dir abhing,
ist jene Welt des bösen Dienstes aufgelöst und abgetan. Doch du mußt noch etwas mehr tun.“
Was? Die Schuhe von deinen Füssen lösen, jene ledernen Gewänder ablegen, in die dich die
Sünde gekleidet hat (s. Gen 3,21), durch die sie wirkt und die dich trennen vom Heiligen Land.
Löse mithin dieses Schuhwerk von deinen Füssen, das heißt lebe nicht länger nach der Art des
Fleisches und in Sünde, sondern leg ab und ertöte jene Lebensweise, die sich Gott widersetzt.
Nicht länger herrsche in dir die fleischliche Gesinnung und das in den Gliedern wirkende Gesetz
der Sünde, das dem Gesetz des Geistes widerstreitet (s. Röm 7,23ff) und denselben fesselt mit
den Fesseln der Sünde, sondern besiegt sei all das und abgetötet durch die Kraft der Gottesschau.
Ist nicht das alles das Kreuz? Um es mit dem göttlichen Paulus zu sagen, das Kreuz ist, das
Fleisch zu kreuzigen „mitsamt den Leidenschaften und den Begierden“ (Gal 5,24).

 

6. „Löse mithin“, sagt Er, „die Schuhe von deinen Füssen, denn der Grund, auf dem du stehst,
ist heiliges Land“ (Ex 3,5). Dieses Wort weist deutlich hin auf die Heiligung des Landes, die nach
dem Erscheinen unseres Herrn und Gottes und Erlösers Jesus Christus durch das Kreuz gewirkt
werden sollte. Damals nämlich schaute Moses in jenem erhabenen Anblick des mitten im Feuer
nicht verbrennenden Dornbusches im voraus das künftige Erscheinen Christi.
Zwei Mysterien des Kreuzes
as Schauen des Kreuzes in Gott ist ein Mysterium, welches das vorhergehende noch
übertrifft. Denn es sind deren zwei, wie der große Paulus und unsere göttlichen Väter
andeuten. Der erstere, indem er nicht nur sagt: „Die Welt ist mir gekreuzigt“, sondern
überdies hinzufügt: „und ich der Welt“ (Gal 6,14), die letzteren, indem sie uns gebieten, nicht
voreilig auf das Kreuz zu steigen vor dem Kreuz, womit sie zeigen, dass es zweierlei Reden vom
Kreuz und zwei Mysterien des Kreuzes gibt.

 

7. Das erste Mysterium des Kreuzes ist unser Auszug aus der Welt, die Lösung von den
leiblichen Verwandten, sofern diese ein Hindernis bilden für die Gottesfurcht und das derselben
gemäße Leben, sowie die körperliche Arbeit, die nach Paulus‘ Worten ebenfalls von einigem
Nutzen ist (s. 1 Tim 4,8). Indem wir jenen Dingen entfliehen, ist uns mithin die Welt gekreuzigt
und mit ihr die Sünde.
Das zweite Mysterium des Kreuzes besteht darin, dass wir selbst uns der Welt und den
Leidenschaften kreuzigen, sodass diese aus uns weichen. Es ist jedoch unmöglich, dass sie
vollends aus uns weichen, sodass sie nicht einmal mehr in unseren Gedanken wirken, wenn wir
nicht zur Gottesschau gelangen. Erst dann nämlich, wenn wir durch die Praxis [Praxis nennen die hl. Väter die erste Phase des geistigen Aufstiegs, jene der Läuterung von den Leidenschaften durch
Askese und Gebet
]
voranschreiten
zur Gottesschau und unseren inneren Menschen kultivieren und läutern auf der Suche nach dem
in uns selbst verborgenen göttlichen Schatz, und schließlich das Gottesreich schauen, das in uns
ist, erst dann sind wir der Welt und den Leidenschaften gekreuzigt. Denn durch dieses Schauen
entsteht im Herzen eine Wärme, welche die bösen Gedanken vertreibt wie Fliegen und geistigen
Frieden und Trost in die Seele bringt und dem Leib zur Heiligung verhilft, wie der Psalmist sagt:
„Mein Herz erwärmte sich in mir, und in meiner Betrachtung entbrannte ein Feuer“ (Ps 38,4).
Dies ist auch, was uns einer unserer gotttragenden Väter lehrt: „Kämpfe, so sehr du vermagst,,
damit dein inneres Werk Gott gemäß sei, und so wirst du auch die äußeren Leidenschaften
besiegen.“[Hl. Arsenios d. Große, Spruch 9, siehe Das Große Gerontikon, S. 402] Zum selben ermuntert uns der große Paulus: „Wandelt im Geiste“, sagt er, „und ihr
werdet die Begierde des Fleisches nicht erfüllen“ (Gal 5,16). Deshalb auch gebietet er uns
anderswo: „Steht aufrecht, die Lenden gegürtet mit Wahrheit“ (Eph 6,14), als solche, die durch
den schauenden Geist den begehrenden Teil der Seele [zum Guten] stärken und zügeln und so die
fleischlichen Gelüste vertreiben. Der große Petrus seinerseits zeigt uns mit aller Deutlichkeit, was
jene „Lenden“ sind und jene „Wahrheit“: „Indem ihr die Lenden eures Denkens gürtet“, sagt er
nämlich, „und zur Gänze in Nüchternheit wandelt, könnt ihr hoffen auf die Gnade, die euch zuteil
werden wird bei der Offenbarung Jesu Christi“ (1 Petr 1,13).

 

8. Weil es mithin nicht möglich ist, dass die bösen Leidenschaften und die Welt der Sünde
vollends aus uns weichen, sodass sie nicht einmal mehr in unseren Gedanken wirken, solange wir
nicht zur Gottesschau gelangt sind, ist auch die Gottesschau selbst ein Mysterium des Kreuzes,
denn sie kreuzigt der Welt diejenigen, die ihrer würdig sind. So war auch jenes Schauen des
brennenden und doch nicht verbrennenden Dornbusches, das Moses zuteil wurde, ein Mysterium
des Kreuzes, und zwar eines, das erhabener und vollkommener war als jenes, das Abraham
offenbart wurde.
Wurde Moses also in das vollkommenere Mysterium des Kreuzes eingeweiht, Abraham jedoch
nicht? Wo hätte es dafür einen Grund gegeben? Zum Zeitpunkt seiner Berufung zwar wurde
Abraham nicht eingeweiht, später aber, nach der Berufung, wurde er nicht nur einmal, sondern
zweimal und oftmals eingeweiht, doch fehlt uns jetzt die Zeit, auf alle Einzelheiten einzugehen.

 

Abrahams Vision der Hl. Dreiheit

 

9.
Hier will ich euch nur an die höchst wunderbare Vision erinnern, als Abraham gewährt
wurde, den Einen Gott mit aller Deutlichkeit in Drei Hypostasen zu schauen, obwohl Er
damals noch nicht als Solcher verkündet worden war. „Gott zeigte Sich ihm bei der
Eiche von Mambre. Als er seine Augen erhob, sah er, und siehe, Drei Männer standen vor ihm,
und er eilte zu ihnen hin“ (Gen 18,1ff). Siehe, den Einen Gott schaute er als Drei. Denn „Gott
zeigte Sich ihm“, wie geschrieben steht. „Und siehe, Drei Männer“, und nachdem er zu den
Dreien hingeeilt ist, spricht er zu Ihnen wie zu einem Einzigen: „Herr, wenn ich Gnade gefunden
habe vor Dir, geh nicht vorüber an Deinem Knecht“ (Gen 18,3). Und die Drei Ihrerseits sprechen
zu ihm wie ein Einziger. „Und Er sagte zu Abraham: ‚Wo ist Sarra, deine Frau? Wenn Ich übers
Jahr zur selben Stunde wiederkehre, werde Ich zu dir kommen, und Sarra, deine Frau, wird
einen Sohn haben.‘ “ (Gen 18,9-10). Als aber die Greisin Sarra dies hörte, lachte sie. „Und der
Herr sagte: ‚Warum hat Sarra, deine Frau, gelacht?‘ „(Gen 18,13). Siehe, der Eine Gott ist in
Drei Hypostasen, und jene Drei sind ein Einziger Herr. Heißt es doch: „Der Herr sagte“.

 

10. In Abraham wirkte das Mysterium des Kreuzes mithin auf diese Art. Was aber Isaak
angeht, so war er selbst eine Figur5
Dessen, Der ans Kreuz genagelt werden sollte, wie Christus
gehorsam bis in den Tod gegenüber dem Vater. Und jener Widder, der an seiner Stelle gegeben
wurde (Gen 22,13), war eine Figur des Lammes Gottes, Das um unsertwillen zur Opferung
dargebracht ward. Selbst der Strauch, an den der Widder gefesselt war, barg in sich das Mysterium
des Kreuzes in einer Figur, weshalb er Sabek-Strauch genannt wurde (Gen 22,13),6
das heißt
„Strauch der Vergebung“, so wie man das Kreuz „Holz der Erlösung“ nennt.
Das Mysterium des Kreuzes bei Jakob und Isaak
as Mysterium und die Figur des Kreuzes finden sich auch bei Jakob, dem Sohn Isaaks.
Denn durch Holz und Wasser vermehrten sich seine Herden (Gen 30,37ff). Das Holz
deutete hin auf das Holz des Kreuzes, das Wasser auf die göttliche Taufe, das in sich
das Mysterium des Kreuzes birgt. „Denn im Tod Christi wurden wir getauft“ , sagt der Apostel
(Röm 6,3). Auch Christus vermehrt Seine vernunftbegabten Herden auf Erden mit Hilfe von Holz
und Wasser, des Kreuzes und der Taufe.

 

11. Als Jakob in hohem Alter sich über das Ende seines Stabes beugte (Gen 47,31) und seine
beiden Enkel segnete, legte er ihnen seine Hände kreuzweise auf (Gen 48,14), womit er mit aller Deutlichkeit die Figur des Kreuzes sichtbar machte. Doch auch sein ganzes Leben lang war das
Mysterium des Kreuzes wirksam gewesen in ihm, denn er war gehorsam gegen seine Väter von
Anfang an bis ans Ende, wofür er geliebt und gesegnet wurde von ihnen, jedoch gehaßt von Esau,
und er ertrug jede Prüfung mit Tapferkeit. Deshalb auch sagte Gott: „Jakob habe Ich geliebt,
Esau aber gehaßt“ (Mal 1,2-3 / Röm 9,13).

Etwas Ähnliches geschieht auch mit uns, meine Brüder. Denn derjenige, der sich seinen Vä-
tern dem Leibe und dem Geiste nach willig unterordnet, dem Gebot des Apostels gemäß, der sagt:
„Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern“ (Eph 6,1), ein solcher wird von Gott geliebt, als einer, der
hierin Seinem geliebten Sohn ähnlich ist. Doch der Ungehorsame ist Gott verhaßt als einer, der
fern ist von der Ähnlichkeit mit Seinem geliebten Sohn. Dies zeigt auch der weise Salomo, sagt er
doch, dass solches nicht nur mit Jakob und Esau geschah, sondern immerdar mit allen geschieht:
„Der gehorsame Sohn“, schreibt er, „wird leben, der Ungehorsame aber verdirbt“ (Spr 13,1).

 

Das höhere Mysterium des Kreuzes – die Gottesschau

 

12.
Doch erlangte der Sohn des Gehorsams, Jakob, etwa nicht auch das höhere Mysterium
des Kreuzes, jenes der Gottesschau, meine ich, durch das der Mensch auf vollkommenere
Weise gekreuzigt wird, der Sünde stirbt und der Tugend lebt? Er selbst legt
Zeugnis ab von seiner Gottesschau und Erlösung, sagt er doch: „Ich schaute Gott von Angesicht
zu Angesicht, und meine Seele ward erlöst“ (Gen 32,30).
Wo sind jene, die noch immer dem widerlichen Geschwätz der Häretiker anhangen, die in
unseren Tagen aufgetreten sind? [Der hl. Gregor meint hier Barlaam den Kalabrier, Gregor Akinynos und Nikephoros Gregoras, die auf Grund ihres
Rastionalismus und humanistisch-säkularen Denkens die Unterscheidung zwischen Wesen und Energie Gottes
verwarfen, die Erkennbarkeit des göttlichen Wesens behaupteten und die Ungeschaffenheit der göttlichen Energien
sowie die Möglichkeit der Gottesschau leugneten. Sie wurden durch die Konzile in Konstantinopel der Jahre 1341
und 1351 als Häretiker verurteilt.
]
Möchten sie vernehmen, dass Jakob Gott von Angesicht sah
und nicht nur keineswegs sein Leben verlor, sondern wie er selbst sagt, erlöst wurde, obwohl Gott
sagt: „Keiner wird Mein Angesicht schauen und leben“ (Ex 33,20). Gibt es vielleicht zwei Götter,
von denen der eine ein Angesicht hat, das von den Heiligen geschaut werden kann, der andere
aber eins, das jenseits ist von allem Schauen? Weg mit solcher Blasphemie! Das Angesicht
Gottes, das geschaut wird, ist Gottes Energie und Gnade zur Stunde Seiner Offenbarung an jene,
die würdig sind. Sein Angesicht aber, das niemals geschaut wird, ist das, was man zuweilen
Gottes Wesen nennt und jenseits allen Erscheinens und Schauens ist. Denn keiner hat je in der
Hypostase und im Wesen des Herrn gestanden, wie die Schrift sagt (s. Jer 23,18), und Gottes
Wesen weder je geschaut noch je zu beschreiben vermocht.
So vertreiben denn die Gottesschau und das göttliche Mysterium des Kreuzes nicht nur die
bösen Leidenschaften und die dieselben erzeugenden Dämonen aus der Seele, sondern auch die
häretischen Meinungen. Sie beschämen deren Verteidiger und verstoßen sie aus dem Garten der
heiligen Kirche Christi, innerhalb welchem uns jetzt gewährt worden ist, das Wirken der
göttlichen Gnade und Energie des Kreuzes in den Vätern der Zeit vor dem Kreuz zu feiern und zu
verkünden.

 

13. So wie mithin das Mysterium des Kreuzes in Abraham wirkte und Isaak eine Figur des in
der nachfolgenden Zeit Gekreuzigten war, so auch wirkte das Mysterium des Kreuzes im ganzen
Leben Jakobs und so auch war Joseph, der Sohn Jakobs, Figur und Mysterium des Gottmenschen
und Logos Gottes, der nach diesen Zeiten gekreuzigt werden sollte. Denn auch er wurde aus Neid
zur Abschlachtung preisgegeben von seinen eigenen Brüdern, um derentwillen er von seinem
Vater ausgesandt worden war, geradeso wie Christus nach ihm. Und wenn Joseph letztlich nicht
getötet, sondern verkauft wurde, so ist daran nichts Sonderbares, denn auch Isaak wurde nicht hingeopfert, waren sie doch nicht die Wahrheit Selbst, sondern eine Figur der Wahrheit, Die
kommen sollte.
Wir können jedoch, wenn es sein muß, hierin auch eine Figur des zweifachen Mysteriums der
zweifachen Natur Jesu sehen, denn ihre Hinführung zur Opferung deutete hin auf die Passion des
Gottmenschen, das Nichterleiden des Todes aber auf die Leidensunfähigkeit der Gottheit.
Dasselbe könntest du auch bei Jakob und Abraham feststellen, denn beide wurden versucht und
siegten, was aufs Deutlichste auch über Christus geschrieben steht.
Von jenen vier Männern mithin, die sich vor der Einführung des Gesetzes auszeichneten durch
ihre Tugend und Gottesfurcht, hatten zwei, nämlich Abraham und Jakob, das Mysterium des
Kreuzes als wirkende Kraft in ihrem ganzen Leben, während die beiden anderen, Isaak und
Joseph, das Mysterium des Kreuzes durch wunderbare Geschehnisse im voraus verkündeten.

 

Das Kreuz im Leben Mose, der Richter und der Propheten

 

14.
Und was geschah mit Moses, der als erster von Gott das Gesetz empfing und es den
anderen übermittelte? Wurde nicht er selbst noch vor dem Gesetz durch Holz und
Wasser gerettet, indem man ihn in einem Holzkörbchen den Fluten des Nils aussetzte (s.
Ex 2,3ff)? Und rettete er nicht das israelitische Volk durch Holz und Wasser

[Nämlich durch den Stab, mit dem er das Meer öffnete, sodass das vom Pharao verfolgte Volk trockenen Fußes
hindurchgehen konnte, worauf er es mit dem Stab wieder schloß, sodass die Verfolger in den Fluten umkamen]

(s. Ex 14,15ff),
wobei er mit dem Holz im voraus das Kreuz andeutete und mit dem Wasser die göttliche Taufe?
Sagt doch auch Paulus, der Seher der Mysterien, mit aller Deutlichkeit: „Alle wurden sie in Moses
getauft in der Wolke“ (s. 1 Kor 10,2). Er bezeugt auch, dass Moses schon vor den Ereignissen mit
dem Meer und dem Stab freiwillig das Kreuz Christi ertrug, sagt er doch: „Er erachtete die
Schmach Christi höher als die Schätze Ägyptens“ (Hebr 11,26). Die Schmach aber, die Christus
seitens der Toren erlitt, war das Kreuz, wie derselbe Paulus etwas weiter unten sagt: „Christus
erduldete das Kreuz, ohne der Schmach zu achten“ (Hebr 12,2).
Des weiteren zeigte Moses im voraus mit aller Deutlichkeit auch die Figur und das Zeichen
selbst des Kreuzes sowie die Rettung durch diese Figur. Denn nachdem er seinen Stab
aufgepflanzt hatte, streckte er seine Arme aus über demselben und formte damit sich selbst zum
Kreuz, und durch diesen Anblick schlug er Amalek sogleich in die Flucht (s. Ex 17,8ff). Doch
auch indem er die kupferne Schlange der Breite nach auf einer Stange anbrachte, richtete er mit
Zuversicht die Figur des Kreuzes auf und gebot den von Schlangen gebissenen Juden, zu diesem
hinzublicken als einem Mittel der Rettung, und so wurden sie geheilt von den Schlangenbissen (s.
Num 21,4ff).

 

15. Es fehlt mir die Zeit (s. Hebr 11,32ff), um im Einzelnen auch über Josua sowie die anderen
Richter und Propheten zu reden, über David und jene nach ihm, die alle, bewegt durch das
Mysterium des Kreuzes, Ströme zum Stillstand brachten (s. 2 Kön 19,24) die Sonne aufhielten in
ihrer Bahn (s. Jos 10,13), Städte von Gottlosen dem Erdboden gleichmachten, sich als mächtig
erwiesen im Kampf, Heere von Fremdstämmigen vernichteten, der Schneide des Schwertes
entrieten, die Macht des Feuers löschten, die Rachen von Löwen verschlossen, Könige beschämten,
Anführer von Fünfzigerschaften [durch Feuer vom Himmel] zu Asche verbrannten (s. 4 Kön
1,13), Tote auferweckten, den Himmel verschlossen und wieder öffneten, indem sie die Wolken
in ihm unfruchtbar und dann wieder fruchtbar machten (s. 3 Kön 17,1ff). Wenn Paulus sagt, dass
alle diese Dinge durch den Glauben gewirkt wurden (Hebr 11,27ff), so deshalb, weil der Glaube
Kraft zur Erlösung ist und alles möglich macht für den, der glaubt. Dasselbe wirkt aber ohne
Zweifel auch das Kreuz Christi, sagt doch derselbe Paulus: „Das Wort vom Kreuz ist Torheit für
jene, die verlorengehen, doch für uns, die wir gerettet werden, ist es Kraft Gottes“ (1 Kor 1,18).

 

Das Kreuz des Erlösers und unser Kreuz –
die Nachfolge Christi und worin sie besteht

 

16.
och lassen wir nun all jene, die vor dem Gesetz und unter dem Gesetz lebten, hinter uns
und kommen wir zum Herrn Selbst, „Dessentwegen und durch Den alles ist“ (Hebr
2,10). Sagte Er nicht schon vor dem Kreuz: „Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und
Mir nachfolgt, ist Meiner nicht wert“ (Mt 10,38)? Seht ihr, dass schon bevor das Kreuz aufgestellt
wurde, das Kreuz das war, was rettet? Und als der Herr den Jüngern offen Seine Passion und
Seinen Tod am Kreuz voraussagte und Petrus, der es nicht ertrug, solches zu hören, im Wissen
um Seine Macht zu Ihm sagte: „Bewahre, Herr, solches soll Dir nicht geschehen“ (Mt 16,22), da
tadelte Er ihn als einen, der in dieser Sache nicht göttlich, sondern menschlich denkt. Hierauf rief
Er die Menge und Seine Jünger zu Sich und sagte zu ihnen: „Wer Mir nachfolgen will, verleugne
sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge Mir nach. Denn wer seine Seele retten will,
wird sie verlieren, doch wer seine Seele verliert um Meinetwillen und um des Evangeliums willen,
der wird sie retten“ (Mk 8,34-35).

 

17. Er ruft also zusammen mit den Jüngern auch die Menge und verkündet und gebietet dann
jene hohe und die Natur übersteigende Gesinnung, die in Wahrheit nicht von Menschen stammt,
sondern von Gott. Damit zeigt Er, dass diese nicht nur von Seinen auserwählten Jüngern gefordert
ist, sondern von jedem der an Ihn Glaubenden.
Christus nachfolgen bedeutet, Seinem Evangelium gemäß zu leben und sich als bewährt zu
erweisen in jeder Tugend und Gottesfurcht. Und das Verleugnen seiner selbst, für denjenigen, der
Ihm nachfolgen will, sowie das Aufsichnehmen des eigenen Kreuzes bedeutet, dass er sich selbst
nicht schont, wenn die Zeit es verlangt, sondern bereit ist, um der Tugend und der Wahrheit der
göttlichen Dogmen willen eines ruhmlosen Todes zu sterben.
Solches Verleugnen seiner selbst und die Bereitschaft, sich der letzten Entehrung und dem
Tod preiszugeben, ist zwar erhaben und über der Natur, doch es ist nicht etwas Ungewöhnliches.
Denn selbst die Könige der Erde nehmen in ihre Gefolgschaft niemals, und vor allem nicht in
Kriegszeiten, solche auf, die nicht bereit sind, für sie zu sterben. Was also ist außergewöhnlich
daran, dass auch der König der Himmel, da Er gemäß Seiner Verheißung herabgekommen ist auf
die Erde, um Krieg zu führen gegen den gemeinsamen Feind des Menschengeschlechts, dasselbe
verlangt von denen, die Ihm nachfolgen?
Zudem sind die Könige der Erde nicht imstand, jene wieder zum Leben zu erwecken, die im
Krieg gefallen sind, noch auch dazu, den Tapferen unter ihnen eine entsprechende Belohnung zu
verschaffen. Was könnte schon einer, der nicht mehr lebt, von ihnen empfangen? Jene hingegen,
deren Tod um der heiligen Dinge willen erfolgte, haben ihre Hoffnung im Herrn. So schenkt denn
der Herr denjenigen, die tapfer kämpften in Seiner Nachfolge, als Gegengabe das ewige Leben.

 

18. Die Könige der Erde verlangen von ihren Gefolgsleuten, dass sie bereit sind, für sie zu
sterben, der Herr aber hat Sich Selbst dem Tod hingegeben für uns. Und wenn Er uns gebietet,
bereit zu sein zum Tod, so tut Er das nicht um Seinetwillen, sondern um unser selbst willen. Und
um zu zeigen, dass der Tod um unser selbst willen ist, fügt Er hinzu: „Denn wer seine Seele retten
will, wird sie verlieren, doch wer sie verliert um Meinetwillen und um des Evangeliums willen,
der wird sie retten“ (Mk 8,35).
Was bedeutet das, „wer sie retten will, wird sie verlieren, und wer sie verliert, wird sie retten“?
Der Mensch ist zweifältig – der äußere Mensch, das heißt der Leib, und der innere Mensch, das
heißt die Seele. Wenn mithin unser äußerer Mensch sich selbst dem Tod preisgibt, verliert er
seine Seele, die sich trennt von ihm. Derjenige nun, der sie auf solche Weise verliert um Christi
und des Evangeliums willen, der rettet und gewinnt sie in Wirklichkeit, denn damit verhilft er ihr
zum himmlischen und ewigen Leben. Und bei der Auferstehung wird er sie in diesem Zustand zurückerhalten, und durch sie wird auch er selbst, in seinem Leibe, sage ich, himmlisch und ewig
werden wie sie.
Derjenige hingegen, der an seinem Leben hängt und nicht bereit ist, auf solche Weise zu
sterben, weil er diese vergängliche Welt liebt und was zu ihr gehört, der schadet seiner Seele und
beraubt sie des wahren Lebens. Er verliert sie und überliefert sie zusammen mit sich selbst – o
Schreck! – der ewigen Züchtigung. Deshalb sagt der Allerbarmende Herr, gleichsam wie in
Trauer hierüber und hinweisend auf die Größe des Unheils: „Was nützt es einem Menschen, wenn
er die ganze Welt gewinnt und Schaden nimmt an seiner Seele? Oder was könnte der Mensch
geben als Gegenpreis für seine Seele?“ (Mk 8,36). Denn weder sein Ruhm noch irgendetwas
anderes von dem, was in dieser Welt als kostbar und begehrenswert gilt und dem er den Vorzug
gegeben hat vor dem heilsamen Tod, wird hinabfahren mit ihm. Was in der Tat von alledem
könnte als würdiger Gegenpreis erfunden werden für die vernunftbegabte Seele, deren die Welt in
ihrer Gesamtheit nicht würdig ist?

 

19. Selbst dann also, Brüder, wenn ein Mensch die ganze Welt zu gewinnen vermöchte, hätte
er davon keinerlei Nutzen, wenn er dabei seine Seele verliert. Jeder aber vermag nur einen
verschwindend kleinen Teil dieser Welt zu gewinnen, und wie groß ist das Übel, wenn er im
Bemühen um diesen verschwindend kleinen Teil seine Seele verliert, weil er nicht bereit ist, die
Gestalt und das Wort des Kreuzes auf sich zu nehmen und dem Spender des Lebens nachzufolgen!
Denn Kreuz ist sowohl die verehrte Gestalt als auch das Wort davon.

 

Das Fleisch kreuzigen samt den Leidenschaften und den Begierden

 

20.
Da das Wort und Mysterium des Kreuzes seiner sichtbaren Gestalt vorausging, wollen
wir eurer Liebe das erstere zuerst darlegen. Besser gesagt, Paulus hat auch das schon
vor uns dargelegt – Paulus, der sich des Kreuzes rühmte, der sich vorgenommen hatte,
„nichts zu wissen außer dem Herrn Jesus, und Diesen als Gekreuzigten“ (1 Kor 2,2). Was also
sagt er?
Kreuz bedeutet, „das Fleisch zu kreuzigen samt den Leidenschaften und den Begierden“ (s.
Gal 5,24). Glaubt ihr etwa, er meine damit nur die Schwelgerei und die Leidenschaften des
Unterbauchs? Wäre dem so, wie könnte er dann den Korinthern schreiben: „Da es Streitereien
gibt unter euch, seid ihr immer noch Fleischliche und wandelt nach der Art der Menschen?“ (s. 1
Kor 3,3)? Folglich ist auch jener, der Ehren und Geld liebt oder auch einfach seinen eigenen
Willen durchsetzen will und deshalb mit den anderen streitet, ein fleischlicher Mensch und
wandelt dem Fleisch gemäß. Aus eben diesem Grund gibt es Streitereien, wie auch Jakobus der
Herrenbruder schreibt: „Woher kommen die Kämpfe und Auseinandersetzungen unter euch, wenn
nicht daher, dass eure Gelüste in euren Gliedern im Widerstreit liegen? Ihr bemüht euch und
könnt nicht erlangen, ihr streitet und führt Krieg“ (s. Jak 4,1).
Das Fleisch kreuzigen samt den Leidenschaften und den Begierden bedeutet mithin, dass der
Mensch untätig wird in allem, was Gott mißfällt. Selbst dann, wenn der Leib niedergedrückt ist
und bedrängt, muß jeder darum ringen, ihn hinaufzuheben auf die Höhe des Kreuzes. Was will
ich damit sagen? Als der Herr auf Erden war, lebte Er ein Leben der Besitzlosigkeit, und Er lebte
es nicht nur, sondern Er verkündete es auch, indem Er sagte: „Wenn einer sich nicht löst von all
seinem Besitz, kann er nicht Mein Jünger sein“ (Lk 14,33).

 

Unverfälschte Verkündigung des Willens Gottes und wie man ihn erfüllt

21.
Möge keiner es unerträglich finden, Brüder, ich bitte euch, wenn er uns den guten und
wohlgefälligen und vollkommenen Willen Gottes unverfälscht verkünden hört. Noch
auch soll er ärgerlich werden, weil er das Gebotene als undurchführbar erachtet, sondern er soll zuallererst begreifen, dass das Reich der Himmel mit Gewalt errungen wird und
dass die Gewaltsamen es ergreifen (Mt 11,12). Er soll auch auf Petrus hören, den ersten unter den
Aposteln, da er sagt: „Christus hat gelitten um unsertwillen und uns ein Vorbild hinterlassen,
damit wir Seinen Fußspuren folgen“ (1 Petr 2,21).
Sodann soll er gerechterweise Folgendes bedenken: Wenn ein jeder entdeckt, wieviel er
dem Gebieter in Wahrheit schuldet und dass er nicht hat, um Ihm alles zurückzuzahlen, wird er in
Bescheidenheit soviel darbringen, wie er kann und wozu er sich frei entscheidet, und was den
Rest betrifft, so wird er sich demütigen vor Ihm, und indem er durch diese seine Demut Sein
Erbarmen auf sich zieht, wird er so das Fehlende ergänzen. Sieht aber einer seinen Gedanken
hungern nach Reichtum und vielem Besitz, so wisse er, dass ihn dieser fleischliche Gedanke
trennt von Christus, Der gekreuzigt ist in ihm.

 

22. Wie nun fängt er an, diesen Gedanken hinaufzuheben auf die Höhe des Kreuzes? Seine
Hoffnung auf Christus setzend, den Spender von allem und Ernährer aller, halte er sich fern von
jedem Gewinn, der aus Ungerechtigkeit stammt, und was den Gewinn betrifft, den er aus
Gerechtigkeit erworben hat, so hänge er sich nicht zu sehr daran, sondern verwende ihn auf gute
Art , indem er soweit wie möglich die Bedürftigen daran teilhaben läßt.
Dasselbe gilt für das Gebot, den Körper zu verleugnen und sein Kreuz auf sich zu nehmen.
Jene, die zu Gott gehören und nach Seinem Willen leben, haben einen Körper wie alle, doch sie
hangen nicht übermäßig daran, sondern gebrauchen ihn als Mitarbeiter für das Unerläßliche.
Sollten sie dazu gerufen sein, geben sie ihn bereitwillig preis.
Wenn einer es so hält mit dem materiellen Besitz und den körperlichen Bedürfnissen, sofern er
nicht etwas Besseres zu tun vermag, so handelt er recht und gottgefällig.

 

Die Kreuzigung des Gedankens der Unzucht
und der anderen Leidenschaften

Hinwiederum, sieht einer, dass der Gedanke der Unzucht mit Heftigkeit in ihm wirkt?
Dann wisse er, dass er sich selbst noch nicht gekreuzigt hat. Wie also wird er sich
kreuzigen? Er fliehe das neugierige Betrachten der Frauen, die ungehörige
Vertraulichkeit und das unziemliche Gespräch mit ihnen. Ferner verringere er den Treibstoff, der
diese Leidenschaft nährt, indem er sich enthält von übermäßigem Trinken, Alkoholrausch, Eßlust
und zuviel Schlaf. Dieser Enthaltung von Übeln mische er die demütige Gesinnung bei, indem er
mit zerknirschtem Herzen den Beistand Gottes anruft gegen diese Leidenschaft. Dann wird auch
er sagen können: „Ich sah den Gottlosen hoch aufragen und sich überheben wie die Zedern des
Libanon, doch ich ging an ihm vorüber kraft der Selbstbeherrschung und siehe, er war nicht
mehr da, und ich suchte ihn durch das demütige Gebet, doch sein Ort ward nicht mehr gefunden
in mir“ (s. Ps 36,35-36).

 

23. Oder bedrängt dich etwa der Gedanke der Ruhmsucht? Befindest du dich in Versammlungen
oder an Konferenzen, erinnere dich an den diesbezüglichen Rat, den der Herr in den
Evangelien gibt. Im Gespräch suche nicht den anderen zu übertrumpfen, und so du Tugenden hast,
übe sie im Verborgenen, indem du zu Gott allein hinsiehst und von Gott allein gesehen wirst,
„und der Vater, Der im Verborgenen sieht, wird dir im Offenen vergelten“ (Mt 6,6).
Wenn du aber selbst dann, wenn du die Ursachen einer jeden der Leidenschaften beseitigt hast,
noch belästigt wirst vom Gedanken an sie in deinem Inneren, so fürchte dich nicht. Denn dieser
verhilft dir zu Kränzen, vermag er doch bloß zu belästigen, nicht aber zu überzeugen, noch auch
zu wirken. Er ist eine kraftlose Regung, besiegt von dir durch den Gott gemäßen Kampf.

 

Die Erhabenheit und Macht des Kreuzes

 

24.
Solcherart also ist das Wort vom Kreuz (1 Kor 1,18). Und da es solcherart ist, nicht nur in
den Propheten vor seiner Vollstreckung, sondern auch jetzt, nach der Vollstreckung, ist es
ein großes und wahrhaft göttliches Mysterium. Wie das?
Oberflächlich betrachtet, scheint es demjenigen, der sich selbst erniedrigt und demütigt in
allem, Unehre zu bringen sowie Schmerz und Mühsal demjenigen, der die leiblichen Genüsse
meidet, und wer seine Habe verschenkt, scheint Armut über sich selbst zu bringen. Doch durch
die Macht Gottes verschaffen diese Armut, dieser Schmerz und diese Unehre ewigen Ruhm,
unaussprechliche Wonne und unerschöpflichen Reichtum, sowohl in der gegenwärtigen Welt als
auch in der künftigen.
Jene, die nicht so glauben und ihren Glauben nicht durch Werke beweisen, rechnet Paulus zu
denen, die verlorengehen, ja, zu den Heiden, sagt er doch: „Wir verkünden Christus als Gekreuzigten,
für die Juden ein Ärgernis“, weil sie nicht an die heilbringende Passion glauben, „und für
die Heiden eine Torheit“, weil sie auf Grund ihres völligen Unglaubens gegenüber den göttlichen
Verheißungen nichts höher in Ehren halten als das Vergängliche, „für uns aber, die Erwählten, ist
Christus Gottes Macht und Gottes Weisheit“ (1 Kor 1,23).

Denn dies ist Gottes Weisheit und Macht: durch Schwäche zu siegen, durch Demut zu
erhöhen, durch Armut reich zu machen.

 

25. Nicht nur das Wort vom Kreuz und sein Mysterium, sondern auch seine Gestalt ist
göttlich und verehrungswürdig, denn sie ist ein heiliges und ehrfurchtgebietendes Siegel, das
rettet und heiligt und hinführt zu den übernatürlichen und unaussprechlichen Gütern, die Gott
dem Menschengeschlecht bereitet hat. Es nimmt Fluch und Verurteilung hinweg, befreit von
Verderben und Tod, verhilft zum ewigen Leben und Segen. Es ist Baum des Heils, königliches
Zepter, ein göttliches Siegeszeichen gegen sichtbare und unsichtbare Feinde, selbst wenn die
Söhne der Häretiker in ihrem Irrsinn Mißfallen finden daran. Denn sie entbehren des
apostolischen Segens, der sie instand setzen würde, mit allen Heiligen zusammen zu begreifen,
was die Breite und die Länge, die Höhe und die Tiefe ist“ (Eph 3,18).
Sie begreifen nicht, dass das Kreuz des Herrn die gesamte Heilsökonomie Seines Erscheinens
im Fleische sichtbar macht und das ganze hierdurch vollzogene Mysterium in sich birgt, dass es
sich ausdehnt bis hin an alle Enden und alles einschließt, was oben ist, was unten, was rundum,
was dazwischen. Indem sie einen Vorwand vorschieben, dessentwegen sie, wären sie bei
Verstand, das Kreuz mit uns zusammen verehren müßten, wenden sie sich ab vom Symbol des
Königs der Herrlichkeit, das der Herr Selbst, als Er Sich anschickte, es zu besteigen, offen als
Seine Erhöhung und Verherrlichung bezeichnete (s. Joh 12,32 und 13,31-32). Und in bezug auf
Seine künftige Parusie und Epiphanie kündete Er an, dass dieses Zeichen des Menschensohns mit
großer Macht und Herrlichkeit erscheinen werde (s. Mt 24,30).

 

26. Die Häretiker jedoch sagen, weil Christus ans Kreuz genagelt worden sei, ertrügen sie es
nicht, die Form und das Holz anzuschauen, an dem Er gestorben sei. Der Schuldschein aber, der
wider uns ausgestellt worden war wegen des ungehorsamen Essens vom Baum, nach welchem
unser Urvater die Hand ausgestreckt hatte, wo wurde er angenagelt und durch was wurde er
gelöscht und entfernt, sodass wir wieder eingesetzt wurden in den Segen Gottes? Mit was
enteignete und besiegte Christus die Herrschaften und Mächte der Geister der Bosheit, die des
Holzes

[„Holz“ ist in den Väterschriften dem griechischen Bibeltext gemäß oft gleichbedeutend mit „Baum“ (gr. ȟȪȜȠ). ]

des Ungehorsams wegen Fuß gefaßt hatten in unserer Natur, und beschämte sie durch
Seinen Sieg, sodass wir die Freiheit wiedererlangten? Mit was wurde die Scheidewand entfernt und unsere Feindschaft mit Gott abgeschafft und beseitigt? Durch was wurden wir wieder
versöhnt mit Gott und wurde uns Friede verkündet in Ihm, wenn nicht mit dem Kreuz und durch
das Kreuz?
Möchten sie vernehmen, was der Apostel den Ephesern schreibt: „Christus ist unser Friede,
Er, Der die trennende Scheidewand entfernte, um in Sich die beiden zu einem einzigen neuen
Menschen zu erschaffen und Frieden herbeizuführen, und um beide zu versöhnen mit Gott in
einem einzigen Leib durch das Kreuz, mit welchem Er die Feindschaft ertötet hat“ (s. Eph 2,14-
16). Und den Kolossern: „Da ihr tot wart wegen eurer Verfehlungen und des Unbeschnittenseins
eures Fleisches, machte Er euch lebendig mit Ihm zusammen, indem Er uns alle Verfehlungen
vergab, den gegen uns gerichteten Schuldschein löschte, hinwegnahm und ans Kreuz heftete. Und
nachdem Er die Herrschaften und Mächte entblößt hatte, stellte Er sie öffentlich an den Pranger
durch Seinen Triumph über sie am Kreuz“ (s. Kol 2,13-15).

Die Verehrung des Kreuzes Christi

27.
Werden wir also dieser göttlichen Trophäe der kollektiven Freiheit des Menschengeschlechts
nicht die Ehre erweisen und nicht Gebrauch machen von ihr, deren bloßer
Anblick die unheilstiftende Schlange in die Flucht treibt, erniedrigt und beschämt,
indem sie deren Niederlage und Zerschmetterung verkündet, Christus aber verherrlicht, indem sie
der Welt Seinen Sieg vor Augen führt?
Ist aber das Kreuz zu verabscheuen [wie die Häretiker meinen], weil Christus auf diesem den
Tod erlitten hat, dann ist auch Sein Tod nicht ehrwürdig und erlösend. Wie aber sind wir dann,
wie der Apostel sagt, getauft worden in Christi Tod (Röm 6,3)? Und wie werden wir dann teilhaben
an Seiner Auferstehung, da dies ja geschehen soll, insoweit wir teilhatten am Abbild Seines
Todes (s. Röm 6,5)?
Wollte allerdings jemand eine Form des Kreuzes verehren, die nicht die Inschrift des Namens
des Gebieters trägt, so würde er zu Recht beschuldigt, etwas zu tun, das sich nicht ziemt. Denn
„beim Namen Jesu Christi beugt sich jedes Knie im Himmel, auf Erden und in der Unterwelt“
(Phil 2,10), und diesen ehrwürdigen Namen trägt das Kreuz. Welcher Widersinn mithin, nicht das
Knie zu beugen vor dem Kreuz Christi!

 

28. Uns aber laßt mit den Knien auch die Herzen beugen und zusammen mit dem Psalmisten
und Propheten David anbeten am Ort, wo Seine Füße standen (Ps 131,7), wo Er Seine Arme
ausstreckte, um alles zu umfangen, und wo der lebensspendende Leib für uns zur Schau gestellt
wurde. Und indem wir das Kreuz mit Glauben verehren und küssen, laßt uns in Fülle die
Heiligung schöpfen, die aus ihm fließt, und sie bewahren. So werden wir, nachdem wir Ihn schon
vorher schauten in Seiner Herrlichkeit, auch beim künftigen, allerherrlichsten Erscheinen unseres
Herrn und Gottes und Erlösers Jesus Christus frohlocken in endlosen Freudensprüngen, als solche,
die den Platz zu Seiner Rechten erlangt und die selige Stimme und Segnung, die verheißen waren,
vernommen haben, zum Ruhm des um unsertwillen im Fleisch gekreuzigten Sohnes Gottes.

 

29. Denn Ihm gebührt die Verherrlichung, zusammen mit Seinem Ursprungslosen Vater und
dem Allheiligen und Guten und Lebenspendenden Geist, jetzt und immerdar und in die Ewen der
Ewen. Amen

Quelle: www.prodromos-verlag.de

 
 

22.01.2015

Vorbereitung auf die Grosse Fastenzeit

Sonntag der Vergebung

Diesem Sonntag ist bereits die „Butterwoche“ vorausgegangen, d.h. eine Woche mit völligem Fleischverzicht. An ihm gedenkt die Kirche aller Männer und Frauen, die durch ihr Fasten erleuchtet worden sind, also der Heiligen, denen wir als unsere Vorbilder folgen müssen und die unsere Führer in der schwierigen Kunst des Fastens und des Bereuens sind. Die Fastenzeit ist unsere Befreiung von der Sklaverei der Sünde, dem „Gefängnis dieser Welt“. Das Evangelium dieses letzten Sonntags (Mt 6,14-21) nennt die Bedingungen für diese Befreiung. Die erste ist das Fasten. Das bedeutet die Weigerung, die Begierlichkeiten und Triebe unserer gefallenen Natur als gegeben anzunehmen. Es bedeutet das Bemühen, uns von der Tyrannei des Fleisches und der Materie über den Geist zu befreien. Für den Erfolg darf unser Fasten weder heuchlerisch noch prahlerisch sein. Unser Fasten soll „nicht den Menschen, sondern unserem Vater, der im Verborgenen ist, erkennbar sein“. Die zweite Bedingung ist das Verzeihen. „Wenn ihr den Menschen ihre Vergehen verzeiht, wird euer himmlischer Vater auch euch verzeihen“. Verzeihen bedeutet, den in Hoffnungslosigkeit mündenden „Sackgassen“ der zwischenmenschlichen Beziehungen zu entkommen und diese auf Christus hinzulenken. Das verzeihen ist wahrlich ein „Einbrechen“ des Himmelreiches in diese sündhafte und gefallene Welt.

Die Fastenzeit beginnt tatsächlich mit der Vesper dieses Sonntags. Der Priester trägt die weißen Gewänder. Die Stichiren (Hymnen) künden das Kommen der Fastenzeit an und weisen, über diese hinweg, auf das Nahen von Ostern hin.

Die Zeit des Fastens lasst freudig uns beginnen
und dem geistigen Kampfe wollen wir uns stellen.
Unsere Seelen wollen wir reinigen,
und unser Fleisch wollen wir läutern.
So wie wir uns mit ganzer Hingabe der Nahrung enthalten,
wollen wir uns auch der Leidenschaften enthalten,
und uns der Tugenden des Geistes erfreuen.
Und wenn wir sie in Ausdauer und Liebe üben,
mögen wir zur Schau des verehrungswürdigen Leidens Christi und,
in der geistigen Freude, des heiligen Pascha gelangen können.

 

[…] Am Ende des Gottesdienstes treten alle Gläubigen vor den Priester hin, verneigen sich kniefällig voreinander und bitten sich gegenseitig um Verzeihung. Während man diesen Ritus der Versöhnung vollzieht und die Fastenzeit durch diese Bewegung der Liebe, der Verbundenheit und der Brüderlichkeit beginnt, singt der Chor die Bussgesänge.

Orthpedia – Orthodoxes Glaubensbuch

 

Zum Sonntag des Vergebens

Heute gedenkt die Kirche der Vertreibung Adams aus dem Paradies. Die Pforten zum Garten Eden wurden verschlossen und die Menschen zu Waisen. Seitdem ist es nun unser Los geworden, eingeengt durch die Gesetze der Natur auf dunklen Pfaden zu wandeln, in die kaum merkbar der Schein des Lichtes Christi dringt. Unsere Heimat im Himmel ist irgendwo weit weg von uns und wir sehnen uns nach ihr wie Vertriebene. Wir sehnen uns nach jener Freude, die alle Vertriebenen erfüllt, wenn sie sich an ihr verlorenes Vaterland erinnern, die alle uns erfüllt, wenn wir uns an jene Reinheit, an jenes Licht erinnern, das einmal in uns strahlte , das nun jedoch verschüttet liegt unter unseren Sünden […].

 

Und so fließen die Tränen Adams weiter durch die Jahrhunderte und rufen den Himmel an. Der waise, ausgestoßene Adam schluchst in den Tränen jedes seiner Söhne und Töchter. Er weint und bittet Gott, ihm die einstige Freude zurückzugeben, ihm erneut Seine Freundschaft zu schenken, ihn wieder aufzunehmen in die Wärme Seiner Liebe. Hat Gott etwa jemals Seine Liebe und Seine Freundschaft von uns genommen? Nein! Wir sind es, die sich weit von Ihm entfernt haben. […] Doch Christus ist auf die Erde gekommen. Unser Gott hat unter uns gelebt. Die Menschen haben […] gespürt, wie Er mit Seiner Lehre ihr Herz entflammte, wie Er ihren Verstand mit Licht erfüllte. Und doch haben sie Ihn bis zum Ende nicht erkannt. Und so starb der Sohn Gottes, der aus Liebe zu uns zum Sohn der Menschen geworden war, außerhalb der Stadt, zurückgewiesen und verschmäht von den Menschen. Doch Gottes Liebe wurde dadurch nicht erschüttert. Durch den Tod bezwang der Herr den Tod. Er hat uns befreit von der ewigen Verdammnis und lässt uns auch jetzt schon in einem gewissen Maße teilhaben am Ewigen Leben. Das Ewige Leben ist Gott selbst, ist die Göttliche Liebe, ist Er selbst.

 

Heute, zu Beginn der Großen Fasten, gedenken wir wie jedes Jahr […] unserer verlorenen Heimat, unseres Vaterhauses. Und jedes Jahr machen wir uns immer wieder neu auf den Weg, um unseren Geist neu zu entzünden, um unsere Herzen zu reinigen, um unseren Verstand mit Licht durchfluten zu lassen, um heimzukehren zu unserem Gott und Vater. […] Es [ist] gemeinsamer Weg, wie in alten Zeiten, als die Leute gemeinsam jenes Land verlassen hatten, das ihnen zum Ort der Knechtschaft geworden war, um in einem ihnen noch unbekannten Land die Freiheit zu erlangen. So sollen auch wir uns nun lossagen von all dem, was uns zu Sklaven macht, losreissen aus der Knechtschaft, um irgendwann dann einmal die Freiheit der Gottessöhne zu erlangen, zu der wir berufen sind und die es zu erwerben gilt.

 

[…] Auch damals nahmen die Leute neben sich immer wieder ihnen bisher unbekannte Menschen wahr und schauten in neue Gesichter. Was jedoch hatten alle diese Menschen gemeinsam? Nur eins: Sie alle hatten sich losgesagt von der Knechtschaft, sie alle suchten die Freiheit, alle hatten verstanden, dass der Weg von der Knechtschaft zur Freiheit nur zusammen möglich ist. Zusammen, das heisst in Gemeinschaft miteinander versöhnter Menschen.[…]

 

So mögen auch wir uns nun zu einer Gemeinschaft zusammenraufen und uns auf den Weg machen. Wir sollten uns im Klaren sein, dass wir uns von vielem lösen müssen, um frei zu werden. Wir müssen uns bewußst machen, dass wir dies nur erreichen können, wenn wir miteinander in Liebe, Mitgefühl, Barmherzigkeit und Mitleid vereint und verbunden sind. Deshalb stellen wir uns zu Beginn der Großen Fasten vor die Ikonen des Heilands und der Gottesmutter, um Sie um Verzeihung zu bitten, um Ihren Segen zu erbitten für unseren Weg. Christus wurde von den Söhnen und Töchter[…]. Wir sollten Christus um Vergebung und um Seinen Segen bitten, damit Sein Kreuz uns zum Heil dienen möge, damit wir durch Seine Wunden gesunden mögen, dass wir die sich am Kreuz opfernde Liebe des Herrn verstehen mögen, um so in uns Kräfte zu finden, die uns ermöglichen, Ihm unser gesamtes Leben und all unsere Liebe in Dankbarkeit darzubringen. […]

 

Möge jeder von uns […] jedem verzeihen. Nicht nur denen, die hier anwesendend sind, sondern auch denen, bei denen wir selbst nicht mehr auf Verzeihen hoffen können. Viele, die wir beleidigt und verletzt haben, sind schon entschlafen. Jetzt ist in ihren Herzen alles Böse und alle Bitternis verschwunden. Jetzt stehen sie vor dem Angesicht Gottes und haben verstanden, wie schwach wir alle doch sind und wie verblendet, wie wir einander verletzen und unzählig viel Bosheit in unsere Worte und unsere Handlungen legen, ohne dies eigentlich zu wollen. Jetzt sind sie im Himmelreich, im Reich der Liebe, wo alle wissen, dass es sowohl im Himmel als auch auf Erden nichts anderes gibt, was Gottes und der Menschen würdig ist, außer der Liebe. Lasst uns die Entschlafenen nun von Herzen bitten, dass auch sie uns vergeben und segnen mögen […]. Lasst uns auch derer gedenken, die ein Stück unseres Weges mit uns gegangen sind, die uns dann jedoch beleidigt haben oder die wir verletzt haben. Lasst uns auch ihnen vergeben wie ebenso auch denen, die unser Leben erdrückt haben, die zuweilen unsere lichtesten Gedanken und unseren freudigsten Eifer zunichte gemacht haben. Lasst uns ihnen vergeben und auch sie bitten, selbst wenn sie uns nicht mehr nahe sind, uns zu vergeben. […] Möge der Herr mit [Seinem] göttlichen Frieden ihre und unsere Herzen und Seelen trösten und heilen.

 

[…] Lasst uns einander vergeben und die Vergebung von einander annehmen und uns nun gemeinsam auf den Weg machen von der Erde zum Himmel, von der Knechtschaft zur Freiheit. Lasst uns einander verzeihen, damit wir nicht mit schweren Ketten an Händen und Füßen gehen müssen, sondern mit leichten Schritten Christus folgen können, wohin Er auch immer gehen mag: ob in die Wüste oder in eine Versuchung […] auch in den furchtbaren Garten Gethsemane […].Möge nun der Herr uns allen Seinen Frieden schenken, den Frieden von der Gottesmutter, den Frieden von den Entschlafenen und von den Lebenden. Dieser Frieden kann uns von ihnen allen aber nur dann geschenkt werden, wenn auch wir ihnen Frieden und Liebe schenken.

 

Amen

 

von Metropolit Antonij von Suroz

 

 

* * *

 


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